Believe me!
Bildhauerei zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Lüge

26.01.2008 - 20.04.2008

Gewissheiten geraten ins Wanken, wenn wir Kunstwerke betrachten. Der Kontrast von Sein und Schein verwischt: Gebraucht nicht der Lügner die gültigen Bezeichnungen und Worte, um die Unwahrheit als wirklich erscheinen zu lassen?

Ist der Künstler, der aus Stein, Gips, Holz, Glas und Bronze mit Händen und Maschinen seine Ideen wirklich macht, ein Lügner? Oder erschafft er mit dem Werk neue individuelle und universelle Wahrheiten? Auch die Frage nach dem Wert des Materials stellt sich bei der Skulptur so deutlich wie bei keinem anderen Kunstwerk. Sämtliche Materialien sind möglich, die Vermischung mit ready-mades schon seit Marcel Duchamp.

Bronzegüsse vermitteln den Eindruck von Kostbarkeit und Wichtigkeit, aus Styropor Geschnitztes will diesem Eindruck entgegen wirken; was aber sagt die vergoldete Styroporfigur aus, was die geschwärzte Bronzeplastik?
Diesen Fragen stellen sich sieben junge Künstlerinnen und Künstler mit unterschiedlichen bildhauerischen Ansätzen. Allen gemein ist eine genaue Alltagsbeobachtung, das Erkennen der konkreten Dinge in unserer Konsumgesellschaft, Geschichtsbetrachtung und die Erfahrung der eigenen Körperlichkeit. Anders als ein zweidimensionales Kunstwerk findet Skulptur in mindestens zwei Arten von Räumen statt: einerseits im illusionistischen Raum, indem sie im Kopf des Betrachters Bilder auslöst; andererseits im realen Raum, wo Skulptur als materialstarke Realität einen neuen Körper darstellt, der mit dem eigenen Körper korrespondiert.

Die Korrespondenz der Körper macht Janna Grak (geb. 1971, Prof. Daniel Buren) greifbar: Sie verwandelt die nördliche Spitze des Tunnelraumes mit einer „Transformer”-Installation. Ihre bewegliche, vielteilige Skulptur verändert den Raum, irritiert die Sinne der Betrachter und fordert sie gleichzeitig auf, inter-aktiv zu werden. Weit vorher, beim Abstieg schon, eröffnet sich der Blick auf einen Schriftzug, den Michael Just (geb. 1979, Prof. Hubert Kiecol) aus Aluminium hat gießen lassen: AAAAAAAAAAAAAAAAGH!. (Ein Zitat aus Stanley Kubricks Kriegsfilm „Full Metal Jacket”). Die Eigenheiten des Raumes entlarvt Esther Kläs (geb. 1981, Prof. Georg Herold) auf sanfte Weise mit goldenen Ketten: Diese hat sie auf einen Wandteppich genäht, zu dem sie der abfallende Boden und die schrägen Wände des KIT inspirierten.

Gesine Grundmann (geb. 1974, Meisterschülerin bei Prof. Rosemarie Trockel) präsentiert einen echten/falschen? „Rheinischen Tiger” und eine schimmernde Bronzefigur auf einem Koffer-Sockel. Die gebürtige Kölnerin verbindet in ihren Arbeiten Humor mit grundsätzlichen Fragen des Lebens. Tina Isabella Hild (geb. 1977, Prof. Reiner Ruthenbeck und Prof. Katharina Fritsch) zeigt eine Serie fein gearbeiteter Objekte, deren kontrastierende Materialität und Bildhaftigkeit die Fantasie des Besuchers auf eine leichtfertige Reise schicken. Dagegen setzt Heiko Räpple (geb. 1980, Prof. Didier Vermeiren) mächtige, aber empfindliche Gips-Skulpturen, die zwischen antiker Heldenfigur und abstrakter Formensprache die Geschichte der Bildhauerei hinterfragen.

Mit Kunststoffen arbeitet Markus Zimmermann (geb. 1978, Prof. Bogomir Ecker). Er baut im KIT eine Filiale seines Berliner Laden-Ateliers auf und lockt den Besucher hinein in eine Welt voller schöner Lügen.

Besonders gute Produktionsbedingungen ermöglichte den sieben Künstlern die finanzielle Unterstützung der Ausstellung durch die Stiftung für Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.