Der Pinselhieb der Natur oder Die betrogene Fläche

28.07.2007 - 07.10.2007

Vanessa Conte, Dominik Halmer, Tobias Hantmann, Shila Khatami, Coline Krausbauer, Elke Nebel, Anne Neukamp

„Kunst welkt nicht. Wenn der Maler malt, fallen keine Blüten ab, verdorrt kein Grün, verliert der Abendhimmel mit der untergehenden Sonne seine Farben nicht. So ist in jedem Bild ein bisschen Rebellion gegen das Leben, in dem immer alles, wer weiß, warum, vergehen, verblassen, erlöschen muss.” Hans-Joachim Müller

Die Ausstellung präsentiert sieben junge Künstlerinnen und Künstler — die meisten von ihnen Absolventen der Kunstakademie Düsseldorf —, deren Werke um die Themen Natur, Landschaft und Kosmos kreisen. Mit Malerei auf unterschiedlichen Bildträgern, gemaltem Film und Skulptur hinterfragen und erweitern sie die Funktionen und Eigenschaften der Malerei sowie die traditionsreiche Auseinandersetzung mit Landschaftsmotiven in der Kunst. Zwischen Abbild und Fiktion, Naturdarstellung und Abstraktion entfalten die künstlerischen Arbeiten eine neue, eigenwillige Bildhaftigkeit, die über die gängige Vorstellung von Landschaft und Natur hinausweist.

So setzt sich Vanessa Conte (geb. 1977 Tarrytown, NY, seit 2004 in Düsseldorf) mit Begriffen wie Abgeschiedenheit, Wildnis und Tod metaphorisch auseinander. Für KIT arbeitet die Absolventin der University of Caliornia, Los Angeles, an einer Wissenschafts-Fiktion, an einer Geschichte des Lebens, erzählt aus der Sicht einer Molluskel. Auf langen Papierbahnen lässt sie mit farbiger Kreide dichte Formationen entstehen, die sich ausdehnen zwischen Surrealität und Altmeisterhaftigkeit.

In Ordnungssystemen verankert und zugleich in schrillen Bildern des Jetzt schwelgend präsentieren sich die großformatigen Gemälde von Dominik Halmer (geb. 1978 in München, studierte bei Prof. Albert Oehlen). Über die Kombinatorik schillernd kontrastreicher Elemente baut Halmer persönliche Weltmodelle, die den Betrachter zu sinnbildender Wahrnehmung herausfordern. Seine Arbeiten kreisen um die grundsätzliche Frage, warum Bilder gemacht werden.
Bei Tobias Hantmann (geb. 1976 in Kempten, studierte bei Prof. Baselitz und Prof. Dibbets) sind es großformatige, fast zarte Teppichbilder, die die Verletzbarkeit und Vergänglichkeit der bildhaften Darstellung vermitteln. Wie bei seinen Tuschezeichnungen auf Baumblättern geht es Hantmann auch bei den in Velours dargestellten Formen um die geistige Auseinandersetzung im Umgang mit visuellen Reizen.

Shila Khatami (geb. 1976 in Saarbrücken, studierte bei Prof. Kasseböhmer und Prof. Federle) schafft mit den Eigenschaften verschiedener Bildträger und Materialien abstrakte malerische Bilderwelten, die samt ihrer frivol-dekorativen Farbigkeit zu vielfältigen Assoziationen verleiten. Für KIT hat sie erstmalig und in Abstimmung mit den anderen Künstlern eine dreidimensionale Arbeit realisiert: Mit einem 20 Meter langen und 2,20 Meter hohen Objekt wird sie den Blick auf die Werke im Ausstellungsraum neu definieren.

Coline Krausbauer (geb. 1979 in Krefeld, studierte bei Prof. Doig) malt mit Ölfarbe und Eitempera Szenarien, in denen Natur sich in städtische Architektur hineinfrisst. Dabei entwickelt die Künstlerin Collagen an der Grenze zwischen Figuration und Abstraktion, schafft widerspenstige und gleichzeitig bekannt scheinende Formen mit sumpfigen und klaren Farben auf Leinwand, Papier und Pergament.

Elke Nebel (geb. 1975 in Kleve, studierte bei Prof. Immendorff) entführt mit ihrem aus 10.000 Einzelbildern entstandenen Film „Die Fährte” in die Weiten des Universums. Der gemalte Film entstand aus der Sehnsucht, das Bild von der Leinwand weiterzuführen, es niemals „enden zu lassen”. Malerei, Film und die narrative Form zeigt Elke Nebel im KIT außerdem mit der dreidimensionalen Arbeit „Gelée Royal”.

In den Arbeiten von Anne Neukamp (geb. 1976 in Düsseldorf, studierte bei Prof. Federle in Düsseldorf und Prof. Adamski in Dresden) überlagern sich Landschaftsmotive und geometrisch-abstrakte Formen in vielen ineinander verwobenen Schichten. Berge, Seen und Wolkenszenarien scheinen sich unter Dreiecken und Kreisen verbergen zu wollen und weisen, auf eine spielerische Weise transformiert, Möglichkeiten einer anderen Lesbarkeit auf.